Tagesordnungspunkt

TOP Ö 1: Anfrage zur Errichtung von Windkraftanlagen in Bad Abbach und Teugn,

BezeichnungInhalt
Sitzung:27.11.2012   MGR/011/2012 
Beschluss:ungeändert beschlossen
Abstimmung: Ja: 22, Nein: 0
DokumenttypBezeichnungAktionen

Sachverhalt:

 

Das Gremium wird darüber informiert, dass die Fa. Envalue eine Anfrage hinsichtlich der Errichtung von ca. 5 Windrädern á 3 Megawatt (MW) gestellt hat.

 

Der Vorsitzende begrüßt hierzu neben Herrn Kress und Herrn Eißler von der Fa. Envalue auch den 1. Bürgermeister der Gemeinde Teugn, Herrn Anton Schweiger.

 

Die Windräder sollen südöstlich von Saalhaupt errichtet werden.

 

Dabei würde sich lediglich eines der vorgesehenen Windräder im Gemeindegebiet Bad Abbach (WKA SH 1a), die anderen im Bereich der Gemeinde Teugn befinden. Der fünfte Standort steht scheinbar derzeit noch nicht fest.

 

Mit der Gemeinde Teugn wurde vereinbart, dass ein gemeinsames Vorgehen hier notwendig ist (Straßenerschließung, Leitungsverlegung etc.).

 

Es wird darauf hingewiesen, dass es sich bei Windrädern um privilegierte Bauvorhaben gem. § 35 Abs. 1 Nr. 5 BauGB handelt – grundsätzlich besteht hier eine Genehmigungspflicht, soweit die weiteren Voraussetzungen für eine Genehmigung (Abstandsflächen, Erschließung etc.) vorliegen.

 

Herr Johann Kress, Geschäftsführer der Fa. Envalue GmbH stellt dem Gremium das Vorhaben detailliert vor:

 

  • Eine Wind- und Ertragsabschätzung für die vorgesehenen Standorte (meteorologische Modellsimulation, Datenbasis 2003 bis 2012) wurde durchgeführt.
    • Die Mittlere Windgeschwindigkeit müsse in Nabenhöhe (ca. 140 m) ca.

6,5 m/sec betragen, genauere Angaben können erst nach einer Windmessung gemacht werden. Die Gesamthöhe bei einem Rotorradius von ca. 60 m würde bei ca. 200 m liegen.

    • Vorgesehen seien ca. 3 bis 5 Windräder mit jeweils ca. 2,4 bis 3 Megawatt (MW) Leistung – also eine Gesamtleistung von ca. 10 bis 15 MW.
    • Die Nutzung bayerischer Waldgebiete sei erst jetzt durch modernere Windtechnik möglich.

  • Vom Landesamt für Umwelt (LfU) wurden gemäß dem bayerischen Windatlas folgende Planungsempfehlungen hinsichtlich der Abstände zu Siedlungsstrukturen veröffentlicht:

o   Allgemeines und Reines Wohngebiet:       800 m

o   Misch- oder Dorfgebiet:                                  500 m

o   Außenbereichsanwesen:                              500 m

o   Gewerbegebiet:                                               300 m

o   Autobahnen (Baurecht):                                100 m

·        Für geeignete Standorte seien zahlreiche Faktoren ausschlaggebend:

o   Höhere Lagen (>= 450 m)

o   Nutzung von Waldgebieten (Minimierung der Sichtbarkeit)

o   Ausreichende Abstände (> 6 bis 8 x Rotordurchmesser) der Windkraftanlagen (WKA)

o   Infrastruktur, Logistik

o   Kriterien des Baurechts

o   Kriterien der Schutzgebiete

o   Kriterien des Immissionsschutzes (Konzentrationswirkung)

o   Windmessung

§  Dauer: 1 Jahr

§  Genaue Standortprüfung mit bankfähigem Ertragswertgutachten

o   Schattenwurf:

§  Max. 30 Minuten/Tag

§  Max. 30 Stunden/Jahr

o   Klärung der Standorte mit der zivilen und militärischen Luftfahrt (Radar)

o   Artenschutz (saP)

§  Beobachtungszeitraum: 1 Jahr

o   Klärung des notwendigen Netzeinspeisepunktes der E.ON

·        Nutzen für den Markt Bad Abbach

o   Gewerbesteuereinnahmen durch mögliches lokales Unternehmensmodell

o   Regionale Wertschöpfung bei Betrieb durch ein örtlich ansässiges Unternehmen

o   Baustein für das kommunale Klimaschutzkonzept

o   Möglichkeit der Bürgerbeteiligung bei entsprechender Unternehmensform

o   „Plus-Energie“ Gemeinde

Bei einem Windpark mit fünf Windkraftanlagen mit jeweils 3 MW Leistung würden jährlich mehr als 37 MWh erzeugt. Damit könnten ca. 10.000 Haushalte mit elektrischer Energie versorgt werden.

·        Nächste Schritte

o   Genehmigung des Windtestmastes und Beginn der Messungen zum Jahresende

o   Beginn der Artenschutzprüfung im Frühjahr 2013

o   Abschluss von Verträgen mit den betroffenen Gemeinden

o   Klärung des Netzeinspeisepunktes der E.ON

o   Bürgerinformation durch die Fa. Envalue nach Festlegung der Rahmenparameter

o   Sämtliche Kosten trägt die Fa. Envalue GmbH

 

In der Diskussion werden folgende Fragen erörtert:

 

·        Eine Behandlung der Anfrage der Fa. Envalue durch die Gemeinde Teugn erfolgt in der Sitzung des Gemeinderates Teugn am 10.12.2012.

·        Von Seiten des Landkreises Kelheim wurde ein Windatlas erarbeitet. Danach seien andere Gebiete (z.B. Ihrlerstein, Painten) wesentlich erfolgversprechender als der Raum Teugn – Saalhaupt.
Dies sei der Fa. Envalue bekannt. Die Voruntersuchungen werden auf Kostenrisiko der Fa. Envalue durchgeführt. Falls diese keine Wirtschaftlichkeit ergeben, wird das Projekt eingestellt.

·        Die Reihenfolge des Ablaufs wird hinterfragt. Vor der Vorlage eines fertigen Konzeptes solle erst die Meinung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger gehört werden. Derzeit sei durchaus zu befürchten, dass sich bei einem Übergehen der Bürgerschaft entsprechende Widerstände seitens der Bevölkerung zeigen.
Herr Kress entgegnet dazu, dass er die Bürgerschaft in einer eigenen Veranstaltung nach der Diskussion im Marktgemeinderat informieren werde.

·        Das Vorhabengebiet liege auf einer Höhe von ca. 440 m über Normalnull (NN). Mit den Masten und den Rotordurchmessern ergebe sich eine Gesamthöhe von ca. 660 m über NN.

·        Die Platzierung der Windräder in Waldkerngebieten sei wegen der Auswirkungen auf die Flora und Fauna nicht glücklich gewählt. Es wird vorgeschlagen, Standorte entlang der Bundesautobahn zu suchen.

·        Auf Nachfrage wird mitgeteilt, dass für sämtliche privat betriebenen Anlagen, auch wenn sie von der E.ON als Netzbetreiber abgeschaltet werden müssten, die Vergütung für den erzeugten Strom bezahlt wird. Diese Situation träfe für die Windkraftanlagen genauso zu wie für die privat betriebenen Photovoltaikanlagen.

·        Die Nutzung der Waldgebiete wegen der verminderten Sichtbarkeit erscheint nicht nachvollziehbar, wenn man die Gesamthöhe der Windräder mit ca. 200 m mit den vorherrschenden Baumhöhen von ca. 20 m vergleiche.

·        Auf Nachfrage wird mitgeteilt, dass die Fa. Envalue derzeit mehrere Projekte für die Errichtung von Windkraftanlagen betreibe und sich nicht nur auf die Anlage bei Teugn / Saalhaupt konzentriere. Im Einzelnen werden Projekte bei Furth im Wald und bei Schrobenhausen genannt.

·        Herr Kress teilt weiterhin mit, dass die Betrachtung der Windkraftanlagen auch in dem Fall, dass der Gemeinderat Teugn diese Entwicklung ablehne, für Saalhaupt weiterhin untersucht werden würde.

 


Beschluss:

 

Der Marktgemeinderat nimmt die vorliegende Anfrage zur Kenntnis. Er steht dem Vorhaben, vorbehaltlich des Einverständnisses der Bürgerschaft und der Zustimmung der Gemeinde Teugn, grundsätzlich positiv gegenüber.  


Abstimmungsergebnis:

 

Anwesend:

22

Ja-Stimmen:

22

Nein-Stimmen:

0

 

 

Beschlussnummer:

800