Tagesordnungspunkt

TOP Ö 1: Einstellung eines Sozialpädagogen für die Sozialarbeit an der Grundschule und Angrüner-Mittelschule

BezeichnungInhalt
Sitzung:30.10.2012   MGR/010/2012 
Beschluss:geändert beschlossen
Abstimmung: Ja: 22, Nein: 0
DokumenttypBezeichnungAktionen

Sachverhalt:

 

In der Sitzung des Schul-, Sport-, Jugendförderungs- und Sozialausschusses am 16.07.2012 wurde empfohlen, ab dem Jahr 2013 eine Ganztagsstelle für diesen Bereich einzurichten.

 

Dabei ist von Personalkosten in Höhe von ca. 50.000,00 € p.a. auszugehen.

 

Herr Rektor Heiner Bruckmüller von der Mittelschule Bad Abbach legt dem Marktgemeinderat die Notwendigkeit der Sozialarbeit an Schulen wie folgt dar:

 

1. Situationsanalyse

  • 183 Schüler/-innen (101 männlich, 82 weiblich)
  • Einzugsgebiet
    • Bad Abbach 140 Schüler/-innen
    • Pentling 43 Schüler/-innen
  • Migrationsanteil 11,48 %
  • Offene Ganztagsschule 73 Schüler/-innen
  • Mittagsverpflegung 63 Kinder und Jugendliche
    Dabei wird darauf hingewiesen, dass die Meldung bereits im Juni des alten Schuljahres erfolgen muss. Nachmeldungen werden von Seiten des Freistaates Bayern nicht mehr gefördert und gehen voll zu Lasten des Marktes Bad Abbach.
  • 7 Kinder: „Leistungen für Bildung und Teilhabe“
  • Eine M7 und eine M8
  • Die fünfte und sechste Jahrgangsstufe sind besondere Klassen mit EAN
  • Klasse 6A ist eine Kooperationsklasse
  • Ein Schulbegleiter mit 14 Wochenstunden ist an der Mittelschule
  • Bei vielen Schüler/-innen Umstände, die zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind
  • Im letzten Schuljahr: 8A Kooperationsklasse
  • Übertrittsquoten nach dem Schuljahr 2011/2012
    • Grundschule Bad Abbach:
      • Realschule   16%
      • Gymnasium  60%
    • Grundschule Großberg:

§  Realschule   28%

      • Gymnasium  50%
    • Im Verhältnis zum Landesdurchschnitt eine hohe Übertrittsquote an weiterführende Schulen – folgende Zahlen zum Vergleich:
      • Mittelschulen: 35,86 %
      • Realschulen:  32,66 %
      • Gymnasien:   31,48 %

 

 

 

 

 

2. Unterstützungsbedarf

  • Folgen:
    • viele leistungsstarke Schüler/-innen stehen in der Mittelschule nicht mehr zur Verfügung
  • Zusätzlich:
    • Differenziertes Anforderungs- und Leistungspotential
    • Förderlehrkraft
    • Mobiler sonderpädagogischer Dienst (MSD)
    • Differenzierungsmaßnahmen
    • modulare Förderung
  • Quer durch alle Jahrgangsstufen gravierende soziale und erzieherische Probleme
  • Diese Probleme sind bedingt durch
    • viele alleinerziehende Mütter oder Väter
    • Scheidungskinder
    • Familienverhältnisse, bei denen die Kinder vernachlässigt und gesellschaftlich ausgegrenzt werden
    • Kindern mit extremen Verhaltensauffälligkeiten
    • aktuelle Vorfälle mit Missbrauchsopfern
    • Schulrückkehrer aus Gymnasien, Realschulen oder Wirtschaftsschulen
    • Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz
    • Cybermobbing
  • Mit folgenden Maßnahmen wird derzeit Unterstützung geleistet
    • Hilfen und Unterstützung durch die Jugendämter in Kelheim und Regensburg
    • Schulpsychologen
    • Familientherapeutische Maßnahmen
    • Mobiler sonderpädagogischer Dienst (MSD)
  • Unterstützung der Jugendsozialarbeit, um die jungen Menschen bei Bedarf zu beraten und ihnen Hilfen zu geben bei der Bewältigung ihres Lebens, gerade in Hinblick auf Alltag, Schule, Ausbildung und Beruf.
  • Mithilfe bei der Beratung der Eltern und Erziehungsberechtigten, um deren innerfamiliäre Probleme anzusprechen und nach Lösungswegen und Unterstützungssystemen für ihre Erziehungsarbeit zu suchen.

 

3. Fazit

 

Die Angrüner-Mittelschule und die Grundschule Bad Abbach bitten um den Einsatz und die Bereitstellung einer sozialpädagogischen Fachkraft,

  1. um die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule zu intensivieren,
  2. um die Schnittstellen zwischen Familie – Schule – Berufseinmündung – Sozialraum zu vertiefen,
  3. um den sozial benachteiligten jungen Menschen an unserer Schule schnelle und unbürokratische Hilfe vor Ort leisten zu können.
  4. Ziel dieser Maßnahme soll sein, den jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen anzubieten und ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration zu fördern.

 

Die Angrüner-Mittelschule hat mit Schreiben vom 19.04.2012 einen Antrag auf Jugendsozialarbeit an Schulen (JAS) nach § 13 SGB VIII gestellt. Mit diesem Programm kann nur ein fester Personenkreis betreut werden. Schüler/-innen, die in dieses Programm nicht aufgenommen worden sind, dürfen nicht betreut werden. Es bestünde zwar grundsätzlich eine Kostenteilung zwischen Freistaat Bayern (50 %), dem Landkreis Kelheim und dem Markt Bad Abbach (jeweils 25 %), die zur Verfügung stehenden Mittel sind aber bereits ausgeschöpft und neue Maßnahmen können bis auf Weiteres auch nicht mehr zugelassen werden.

 

Dies ist für die angedachte Tätigkeit nicht sinnvoll; besser wäre der Einstieg in die Sozialarbeit an Schulen gem. § 11 Abs. 3 SGB VIII. Hier muss der Markt Bad Abbach nach derzeitiger Rechtslage aber sämtliche anfallenden Kosten tragen. Für die Grundschule und die Angrüner-Mittelschule wäre ein Bedarf von jeweils einer Halbtagskraft, zusammengerechnet also eine ganze Stelle, notwendig.

 

In der Diskussion werden folgende Fragen erörtert:

 

  • Vor 2014 kann auch eine Jugendsozialarbeit an Schulen (JAS) nicht von Seiten des Freistaates Bayern gefördert werden, da die Mittel bis dahin schon ausgeschöpft worden sind.

  • Das Programm JAS wird nur für Mittelschulen angeboten.

  • Auf Nachfrage wird mitgeteilt, dass in jeder Klasse ca. 20 % der Schüler/-innen (ca. 37 Schüler/-innen) verhaltensauffällig sind. Über den MSD werden derzeit ca. 15 Kinder betreut.

  • Spezielle Angebote für ausländische Schüler/-innen müssen –ebenso wie die Ganztagsschule–  bereits vor Beginn des Schuljahres gemeldet werden. Bei Zuzügen nach  dem Meldetermin oder während des Schuljahres kann nicht mehr reagiert werden, um spezielle Maßnahmen durchzuführen.

  • Es wird angeregt, die einzelnen Angebote, wie den Jugendtreff und die Ganztagsbetreuung, zu bündeln. Auf Grund der hohen Kosten und des noch auf den Markt Bad Abbach zukommenden Aufwands für die Inklusion an den Schulen ist der zusätzliche Aufwand nicht mehr vertretbar.

  • Der Markt Bad Abbach ist Sachaufwandsträger für die Schulen. Eine Zuständigkeit der Kommune für die Sozialarbeit sei nicht nachvollziehbar. Hier müsse Druck „nach oben“ – also den Freistaat Bayern –  ausgeübt werden (gemeinsame Erklärung von Schulen, Schul- und Jugendämtern gegenüber dem Freistaat Bayern). Im Übrigen könnte eine Petition an den Landtag gestellt werden.

  • In Bad Abbach gäbe es im Verhältnis zum Landkreisdurchschnitt einen überdurchschnittlichen Anteil von Alleinerziehenden. Mit der Schaffung einer Halbtagsstelle könne hier eine gewisse Unterstützung der Familien geschaffen werden.

  • Da an der Mittelschule auch Schüler/-innen der Gemeinde Pentling unterrichtet werden, sollte bei der Gemeinde Pentling hinsichtlich einer Kostenbeteiligung angefragt werden.

  • Die Kosten für die Schaffung einer Stelle können auf Grund der finanziellen Situation des Marktes Bad Abbach nur durch die Aufnahme neuer Schulden getragen werden.

 

Beschluss:

 

Der Marktgemeinderat beschließt vorbehaltlich einer Kostenbeteiligung der Gemeinde Pentling, einen Sozialarbeiter zum nächstmöglichen Zeitpunkt befristet für ein Jahr einzustellen. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 19,5 Stunden.

 

Abstimmungsergebnis:

 

Anwesend:

22

Ja-Stimmen:

22

Nein-Stimmen:

0

 

 

Beschlussnummer:

780

 


Beschluss:

 

Die Verwaltung wird beauftragt, eine Petition vorzubereiten. Der Inhalt der Petition ist vor der Weitergabe an den Bayerischen Landtag dem Marktgemeinderat zur Entscheidung nochmals vorzulegen.

 


Abstimmungsergebnis:

 

Anwesend:

22

Ja-Stimmen:

22

Nein-Stimmen:

0

 

 

Beschlussnummer:

781